Wer war Kaiser Wilhelm II.?

Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen, als Kaiser bekannt als Wilhelm II., war der letzte Monarch des Deutschen Kaiserreichs. Er regierte von 1888, dem sogenannten Dreikaiserjahr, bis zur erzwungenen Abdankung am 9. November 1918. Als Enkel der britischen Königin Victoria und Sohn Kaiser Friedrichs III. stand er von Geburt an im Schnittpunkt europäischer Dynastiepolitik.

Eine Fotografie von Peter Bock-Schroeder aus dem Jahr 1960, aufgenommen im Haus Doorn. Im Zentrum steht eine prunkvolle Prunkvase aus dunklem Stein mit vergoldeten Bronzemontierungen und Engelsfiguren auf einem hochglanzpolierten Tisch. Durch eine weit geöffnete Fenstertür im Hintergrund fällt der Blick auf den herrschaftlichen Park des Schlosses.
Haus Doorn: Preußischer Tradition und Europäische Geschichte

Wilhelms Herrschaft war geprägt von einem ausgeprägten Hang zur Machtdemonstration, einer undiplomatischen Direktheit, die mehrere internationale Krisen auslöste, sowie dem massiven Ausbau der deutschen Flotte als Instrument globaler Machtpolitik. Historiker bewerten ihn bis heute kontrovers: Als Mitverursacher des Ersten Weltkriegs, als Werkzeug seiner Generäle oder als tragische Figur an der Wende zweier Zeitalter.

Die wichtigsten Fakten kompakt: Kaiser Wilhelm II. lebte von 27. Januar 1859 bis 4. Juni 1941. Er regierte das Deutsche Kaiserreich 30 Jahre (1888–1918) und war zugleich König von Preußen. Nach der erzwungenen Abdankung im Zuge der Novemberrevolution 1918 lebte er bis zu seinem Tod im Exil in den Niederlanden (Haus Doorn). Er hatte 7 Kinder mit seiner ersten Frau Auguste Viktoria. Sein linker Arm war durch eine Erb'sche Lähmung bei der Geburt dauerhaft beeinträchtigt.

Biografie: Herkunft, Kindheit & Jugend

Wilhelm wurde am 27. Januar 1859 im Kronprinzenpalais in Berlin als ältestes Kind des späteren Kaisers Friedrich III. und dessen Frau Victoria, älteste Tochter der britischen Königin Victoria, geboren. Er wuchs in einer Zeit auf, in der das Deutsche Reich noch im Entstehen begriffen war: Die Reichsgründung unter Bismarck und Wilhelm I. erfolgte erst 1871.

Seine Erziehung war streng und militärisch geprägt. Der kalvinistische Hauslehrer Georg Hinzpeter führte ein hartes Regiment. Von 1874 bis 1877 besuchte Wilhelm das Gymnasium in Kassel-Wilhelmshöhe, bevor er an der Universität Bonn Rechts- und Staatswissenschaften studierte. Die prägenden Widersprüche seiner Persönlichkeit, englisch-liberale Einflüsse durch seine Mutter Victoria und preußisch-militaristische Erziehung, schufen eine gespaltene Identität, die sein gesamtes Herrschaftshandeln beeinflusste.

Chronologie: Das Leben Wilhelms II. im Überblick

27. Januar 1859

Geburt in Berlin. Komplizierte Steißgeburt führt zur dauerhaften Schädigung des linken Arms (Erb'sche Lähmung). Enkel der britischen Königin Victoria.

1874–1877

Gymnasium in Kassel-Wilhelmshöhe. Anschließend Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn (1877). Erste militärische Ausbildung beim Ersten Garderegiment zu Fuß in Potsdam.

27. Februar 1881

Heirat mit Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, bekannt als „Dona". Die Ehe dauert 40 Jahre bis zu ihrem Tod 1921 und bringt sieben Kinder hervor.

1888 — Dreikaiserjahr

9. März: Tod Wilhelms I. — Friedrich III. wird Kaiser. 15. Juni: Friedrich III. stirbt nach nur 99-tägiger Regentschaft an Kehlkopfkrebs. Der 29-jährige Wilhelm besteigt als Kaiser Wilhelm II. den Thron des Deutschen Reiches und Königreich Preußens.

18. März 1890

Entlassung Reichskanzler Otto von Bismarcks. Wilhelm II. übernimmt den „Neuen Kurs" und die persönliche Regierungsführung. Bismarcks System der Balance und Bündnissicherung endet.

1900

Die berüchtigte „Hunnenrede" anlässlich des Boxeraufstandes in China. Wilhelm fordert deutsche Truppen auf, sich einen „Schrecken" zu machen — der Begriff „Hunnen" wird international zur Bezeichnung für deutsche Soldaten.

1905/06 & 1911

Erste und Zweite Marokkokrise: Deutschland protestiert gegen französische Interessen in Marokko. Beide Krisen enden diplomatisch als Niederlagen für Berlin und isolieren das Reich weiter.

Oktober 1908

Daily-Telegraph-Affäre: In einem Interview mit der britischen Zeitung macht Wilhelm derart unsensible außenpolitische Aussagen, dass der Reichstag offen Kritik übt. Schwerwiegender Vertrauensverlust im Inland.

28. Juni 1914

Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo. Wilhelm erteilt Österreich-Ungarn am 5. Juli 1914 den „Blankoscheck" — Deutschlands bedingungslose Unterstützungszusage. Diese Entscheidung ist historisch als wesentlicher Kriegsauslöser belegt.

1914–1918

Erster Weltkrieg. Wilhelm ist nominell Oberster Kriegsherr, wird aber zunehmend von der Obersten Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff (ab August 1916) entmachtet und auf Repräsentation beschränkt.

9. November 1918

Reichskanzler Max von Baden verkündet Wilhelms Abdankung ohne dessen formelle Zustimmung. Wenige Stunden später: Ausrufung der Republik. Wilhelm flieht nach Spa (Belgien) und tags darauf in die Niederlande.

28. November 1918

Formelle Unterzeichnung der Abdankungsurkunde im niederländischen Exil. Königin Wilhelmina lehnt 1919 das Auslieferungsbegehren der Alliierten ab.

1920

Kauf und Einzug in Haus Doorn in der Provinz Utrecht (Niederlande). Das Anwesen wird bis zu seinem Tod sein einziger Wohnsitz.

5. November 1922

Zweite Ehe mit Prinzessin Hermine Reuß älterer Linie (1887–1947), einer verwitweten Mutter fünf Kinder. Die Ehe bleibt bis zu Wilhelms Tod bestehen.

4. Juni 1941

Tod durch Lungenembolie in Haus Doorn, Niederlande — wenige Wochen nach dem deutschen Einmarsch. Auf eigenen Wunsch in Doorn bestattet. Wilhelm II. betrat nach 1918 nie wieder deutschen Boden.

Welche Behinderung hatte Kaiser Wilhelm II.? Der linke Arm

Die körperliche Behinderung Wilhelms II. ist eines der meistgesuchten Themen zu seiner Person, und zugleich eines der am wenigsten differenziert dargestellten. Die medizinischen Fakten sind klar:

Medizinische Diagnose: Erb'sche Lähmung (Brachialplexusparese) des linken Arms, entstanden durch Nervenschäden bei der schweren Steißgeburt am 27. Januar 1859. Wilhelms linker Arm war in der Folge etwa 15 cm kürzer als der rechte und nahezu funktionslos.

Ursache: Die dramatische Geburt

Wilhelm befand sich in Steißlage. Die beiden anwesenden Ärzte mussten unter erschwerten Bedingungen arbeiten, strenge höfische Etikette schränkte den medizinischen Zugang zur Mutter erheblich ein. Der herbeigerufene Berliner Geburtshelfer kam zu spät. Beim Versuch, das Kind zu befreien, wurden die Nervenbahnen des linken Arms und Halses (Brachialplexus) schwer beschädigt. Das Ergebnis war eine dauerhaftes Erbs'sche Lähmung.

Ein Artikel im medizinischen Fachjournal Medical Hypotheses (2005, PubMed ID 15893138) schlug alternativ eine durch Sturz der Mutter ausgelöste intrauterine Wachstumsrestriktion als Mitursache vor, der Befund bleibt in der Forschung diskutiert. Klar ist: Wilhelm machte die englischen Geburtshelfer für seine Behinderung verantwortlich und entwickelte daraus einen lebenslangen Antagonismus gegenüber England, den er selbst als mitursächlich für den Krieg beschrieb.

🔍 Wie verbarg Wilhelm II. seinen Arm in der Öffentlichkeit?

Psychologische Dimension: Kompensation und Außenpolitik

Der Historiker John C.G. Röhl, Verfasser der monumentalen dreibändigen Wilhelm-II.-Biografie, analysiert ausführlich, wie die Behinderung Wilhelms Persönlichkeit und Herrschaftsstil prägte. Der Minderwürdigkeitskomplex gegenüber der physisch überlegenen Welt um ihn herum, kombiniert mit der Notwendigkeit, als Kaiser Stärke zu verkörpern, dürfte Wilhelms überkompensierende Aggressivität in der Außenpolitik mitgeprägt haben. Die Armee und die Flotte wurden zu Instrumenten nationaler Stärkedemonstration, die auch eine persönliche Funktion erfüllten.

Regierung & Weltpolitik: Was wollte Kaiser Wilhelm II.?

Wilhelms zentrales politisches Ziel war der „Platz an der Sonne", eine Metapher für die globale Machtstellung, die er für Deutschland beanspruchte. Konkret bedeutete das:

FLOTTE

Flottenrüstung

Unter Staatsekretär Alfred von Tirpitz begann 1898 der massive Schlachtflottenbau, ein direkter Angriff auf die britische Seeherrschaft und Hauptursache der britisch-deutschen Entfremdung.

🌍
KOLONIEN

Weltpolitik

Deutschland suchte koloniale Einflussgebiete in Afrika und Asien. Krisen in Marokko (1905, 1911) und Ostasien zeigten die Ambitionen, und diplomatischen Misserfolge, dieser Politik.

👑
HERRSCHAFT

Persönliches Regiment

Wilhelm verstand sich als absoluter Monarch im modernen Gewand. Nach Bismarcks Entlassung 1890 regierte er mit wechselnden, schwachen Kanzlern, ohne systemische Stabilisierung der Außenpolitik.

Die Entlassung Bismarcks 1890, ein Wendepunkt

Reichskanzler Otto von Bismarck hatte das Deutsche Reich mit einem komplexen Bündnisnetz stabilisiert, das Frankreich isolierte und Russland einband. Wilhelm II. wollte dieses System nicht akzeptieren. Am 18. März 1890 erzwang er Bismarcks Rücktritt. Bismarck sagte voraus, Wilhelm werde Deutschland in den Ruin führen. Die Aufgabe des Rückversicherungsvertrages mit Russland, eine direkte Folge der Entlassung, ermöglichte den Bündnisschluss Russlands mit Frankreich, der später die Kriegssituation an zwei Fronten schuf.

War Kaiser Wilhelm II. schuld am Ersten Weltkrieg?

Dies ist die meistdiskutierte Frage zur Person Wilhelms II. Die historiographische Debatte hat sich seit Fritz Fischers These von 1961 erheblich weiterentwickelt:

📚 Die historiographische Debatte in drei Positionen

Fritz Fischer (1961): Deutschland und Wilhelm II. trugen die Hauptverantwortung. Der „Blankoscheck" an Österreich-Ungarn war eine bewusste Entscheidung für einen großen Krieg.

John C.G. Röhl: Wilhelm II. war keineswegs nur Figur der Generäle. Bis 1916 hatte er erheblichen Einfluss auf Personalentscheidungen und die Seekriegsstrategie, u. a. entschied er im Januar 1917 für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, was den US-Kriegseintritt provozierte.

Christopher Clark (2012, „Die Schlafwandler"): Alle europäischen Großmächte trugen Mitverantwortung. Der Krieg entstand aus einem Geflecht von Fehlkalkulationen, niemand wollte den Weltkrieg, den sie dann bekamen.

Wissenschaftlicher Konsens 2026: Wilhelms aggressive Außenpolitik, sein „Blankoscheck" an Wien, seine Unfähigkeit zur Deeskalation in der Julikrise 1914 und der jahrelang aufgebaute Antagonismus gegenüber England und Russland waren kritische Faktoren beim Ausbruch des Krieges. Alleinverantwortung wird ihm wissenschaftlich nicht zugeschrieben, wohl aber eine herausgehobene Mitverantwortung.

Wilhelm II. als Oberster Kriegsherr: Macht vs. Realität

Aspekt Formelle Rolle Reale Macht
Titel Oberster Kriegsherr aller deutschen Streitkräfte Ab 1916 faktisch entmachtet durch Hindenburg/Ludendorff
Personalentscheidungen Formal zuständig Ersatz Falkenhayns 1916 gegen seinen Willen
U-Boot-Krieg Wilhelm entschied sich im Jan. 1917 endgültig dafür Gegen Rat Bethmann Hollwegs, provozierte US-Eintritt
Waffenstillstand 1918 Formelles Staatsoberhaupt Drängte auf Verhandlungen, wurde übergangen

Warum dankte Kaiser Wilhelm II. ab? Die Chronologie

Die Abdankung Wilhelms II. vollzog sich in mehreren Schritten, und war in ihrer konkreten Form nicht sein eigener Wille:

📋 Chronologie der Abdankung: 5 entscheidende Schritte

  1. Oktober 1918: Oktoberreformen: Der Reichstag erhält erstmals parlamentarische Kontrolle über den Reichskanzler. Der Schritt zur konstitutionellen Monarchie kommt zu spät.
  2. Spät Oktober 1918: Wilsons Ultimatum: US-Präsident Woodrow Wilson macht in seinen Noten deutlich, dass Waffenstillstandsgespräche den Rücktritt des Kaisers zur Voraussetzung haben.
  3. 29. Oktober 1918: Flucht nach Spa: Wilhelm verlässt Berlin und begibt sich ins belgische Spa zum Großen Hauptquartier, dem er seit Kriegsbeginn zugeordnet war.
  4. 9. November 1918: Abdankungserklärung ohne Zustimmung: Reichskanzler Max von Baden gibt Wilhelms Abdankung ohne dessen formelle Billigung bekannt, um die Novemberrevolution zu kanalisieren. Wenige Stunden später ruft Philipp Scheidemann die Republik aus. Wilhelm flieht tags darauf in die Niederlande.
  5. 28. November 1918: Formelle Abdankung: Im niederländischen Exil unterzeichnet Wilhelm die offizielle Abdankungsurkunde und verzichtet auf alle preußischen und deutschen Thronrechte.

Das Exil: Haus Doorn 1919–1941

Die 23 Jahre des Exils sind der am wenigsten erforschte Lebensabschnitt Wilhelms II., und gleichzeitig einer der aufschlussreichsten. Die Niederlande gewährten ihm Asyl; Königin Wilhelmina lehnte 1919 das Auslieferungsbegehren der Alliierten ab, die ihn als Kriegsverbrecher vor Gericht stellen wollten.

🏰 Haus Doorn — Das letzte Zuhause des letzten Kaisers

💡 Gab es einen Kaiser Wilhelm III.?

Nein — Kaiser Wilhelm III. hat nie existiert. Mit dem Ende des Deutschen Kaiserreichs am 9. November 1918 erlosch die Monarchie. Kronprinz Wilhelm (1882–1951), der älteste Sohn, verzichtete gleichzeitig auf alle Thronrechte. Er lebte als Privatperson in Deutschland und starb 1951 in Hechingen. Thronprätendent des Hauses Hohenzollern ist heute Georg Friedrich Prinz von Preußen (*1976), Ururenkel Wilhelms II.

Familie: Frauen, Kinder & Nachkommen

Erste Ehe: Auguste Viktoria (1881–1921)

Am 27. Februar 1881 heiratete Wilhelm Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858–1921), bekannt als „Dona". Die Ehe war politisch arrangiert, Wilhelms Jugendliebe Prinzessin Elisabeth von Hessen-Darmstadt hatte ihn abgelehnt. Die Ehe mit Auguste Viktoria dauerte 40 Jahre und war offenbar aufrichtig: Wilhelms tiefe Trauer über ihren Tod im April 1921 (im Exil) ist historisch verbürgt. Ihr jüngster Sohn Joachim hatte sich kurz zuvor das Leben genommen.

Name Lebensdaten Wichtigste Nachkommen
Kronprinz Wilhelm 1882–1951 Verzichtete 1918 auf Thronrechte
Eitel Friedrich 1883–1942 Militärische Karriere im WW1
Adalbert 1884–1948 Marineoffizier
August Wilhelm 1887–1949 NSDAP-Mitglied ab 1930
Oskar 1888–1958 Militärdienst WW1 und WW2
Joachim 1890–1920 Suizid 1920, löste Herzattacke der Mutter aus
Viktoria Luise 1892–1980 Enkelin: König Felipe VI. (Spanien), Konstantin II. (Griechenland)

Zweite Ehe: Hermine Reuß (1922–1941)

Am 5. November 1922 heiratete der 63-jährige Wilhelm im Exil die verwitwete Prinzessin Hermine Reuß älterer Linie (1887–1947), Mutter von fünf Kindern aus erster Ehe. Die Ehe war von Teilen der Hohenzollern-Familie und der deutschen Öffentlichkeit kritisch betrachtet worden, Wilhelm hatte kaum ein Jahr nach Augustes Tod geheiratet. Hermine überlebte ihren Mann und starb 1947 in sowjetischer Internierung in Frankfurt/Oder.

Häufig gestellte Fragen zu Kaiser Wilhelm II.

War Kaiser Wilhelm II. schuld am Ersten Weltkrieg?

Die Frage ist historiographisch umstritten. Wilhelm II. trug durch den Blankoscheck an Österreich-Ungarn (5. Juli 1914) und seine jahrelange aggressive Weltpolitik wesentlich zur Kriegsentstehung bei. Historiker Fritz Fischer betonte 1961 die deutsche Hauptverantwortung, Christopher Clark hingegen sieht in seinem Buch „Die Schlafwandler" (2012) alle Großmächte als mitverantwortlich. Wissenschaftlicher Konsens heute: Wilhelms impulsive Außenpolitik war ein kritischer Faktor, aber keine alleinige Ursache.

Welche Behinderung hatte Kaiser Wilhelm II.?

Kaiser Wilhelm II. litt an Erb'scher Lähmung (Brachialplexusparese) des linken Arms, entstanden durch Nervenschäden bei seiner schweren Steißgeburt am 27. Januar 1859. Sein linker Arm war etwa 15 cm kürzer als der rechte und nahezu funktionslos. Er kaschierte dies durch gezielte Posieren in Fotos (Hand am Säbel), maßgeschneiderte Kleidung und ständiges Tragen von Handschuhen.

Warum dankte Kaiser Wilhelm II. ab?

Die Abdankung erfolgte am 9. November 1918 im Zuge der Novemberrevolution, nicht vollständig freiwillig. Reichskanzler Max von Baden gab sie ohne Wilhelms formelle Zustimmung bekannt. Auslöser: militärische Niederlage, US-Präsident Wilsons Forderung nach dem Thronverzicht als Vorbedingung für Waffenstillstandsgespräche, der Verlust der Armeetreue und die Revolution in Berlin. Die formelle Abdankungsurkunde unterzeichnete Wilhelm erst am 28. November 1918 im niederländischen Exil.

Gab es einen Kaiser Wilhelm III.?

Nein, Kaiser Wilhelm III. hat nie existiert. Das Deutsche Kaiserreich endete mit der Abdankung Wilhelms II. am 9. November 1918. Kronprinz Wilhelm (Sohn, 1882–1951) verzichtete gleichzeitig auf alle Thronrechte. Verwechslungen entstehen manchmal mit Wilhelm III. der Niederlande (1817–1890), der ein völlig anderer Monarch war. Aktueller Thronprätendent des Hauses Hohenzollern ist Georg Friedrich Prinz von Preußen (*1976).

Wie viele Kinder hatte Kaiser Wilhelm II.?

Kaiser Wilhelm II. hatte sieben Kinder mit seiner ersten Frau Auguste Viktoria: sechs Söhne (Wilhelm, Eitel Friedrich, Adalbert, August Wilhelm, Oskar, Joachim) und eine Tochter (Viktoria Luise, 1892–1980). Über Viktoria Luise ist König Felipe VI. von Spanien ein Nachfahre Wilhelms II., ebenso der verstorbene König Konstantin II. von Griechenland.

War Kaiser Wilhelm II. beliebt?

In drei Phasen: 1888–1900 — hohe Popularität durch nationalen Stolz und Flottenbegeisterung. 1908–1914 — deutlicher Vertrauensverlust durch die Daily-Telegraph-Affäre (1908), den Eulenburg-Skandal und diplomatische Misserfolge. 1914–1918 — zunehmende Isolation von Bevölkerung und Militärführung, sein Rückzug nach Holland 1918 wurde vielfach als Fahnenflucht empfunden und beschädigte seinen Ruf dauerhaft.

Wer wäre heute Deutscher Kaiser?

Würde die deutsche Monarchie restauriert, wäre Georg Friedrich Prinz von Preußen (*1976) der Thronprätendent. Er ist Ururenkel Wilhelms II. über dessen Sohn Kronprinz Wilhelm. Georg Friedrich ist heute als Unternehmer tätig und lebt mit seiner Familie in Deutschland. Eine politisch-rechtliche Restauration der Monarchie ist nach dem Grundgesetz nicht vorgesehen.

Wo und wann starb Kaiser Wilhelm II.?

Kaiser Wilhelm II. starb am 4. Juni 1941 im Alter von 82 Jahren in Haus Doorn, Niederlande, an einer Lungenembolie — kurz nach dem deutschen Einmarsch in die Niederlande. Auf eigenen Wunsch wurde er in der Gedenkstätte auf dem Gelände von Haus Doorn beigesetzt, da er sich weigerte, in Nazi-Deutschland beerdigt zu werden. Sein Grabmal ist noch heute öffentlich zugänglich.

Welchen Spitznamen hatte Kaiser Wilhelm II.?

Im britischen Volksmund der Kriegszeit hieß er abwertend „Kaiser Bill". Die deutsche Presse und Hofetikette sprach vom „Allerhöchsten". Wegen seiner vielen Auslandsreisen wurde er intern auch „Reise-Kaiser" genannt. Seine impulsive, unberechenbare Art brachte ihm in diplomatischen Kreisen den Ruf als unkalkulierbarer Herrscher ein.

Das Vermächtnis von Peter Bock-Schroeder

Bilder sind das Gedächtnis der Welt. Ohne die Arbeit von Peter Bock-Schroeder (1913-2001) wäre ein wesentliches Kapitel der kaiserlichen Dokumentation heute nur noch eine vage Erinnerung.

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Ein Fenster in die Geschichte

Jans Bock-Schroeder & Historik-Autor

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ℹ️ Quellen & Methodik
Dieser Artikel basiert auf gesicherten historischen Quellen: John C.G. Röhl, „Wilhelm II." (3 Bde., 1993–2008); Christopher Clark, „Die Schlafwandler" (2012); Fritz Fischer, „Griff nach der Weltmacht" (1961); sowie medizinischen Fachpublikationen zu Wilhelms Behinderung (PubMed ID 15893138). Stand: April 2026.